Irrwege

Zum Inhaltsverzeichnis

 

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht – so sagt es ein bekanntesSprichwort. Das Entscheidende an diesem Satz ist das Wort entstehen. Wer einmal irgendwo gegangen ist, mag auf einem – seinem – Weg gewesen sein. Er hat damit aber noch keinen für andere sichtbaren Weg geschaffen, sondern allenfalls eine Spur gelegt. Dieser Spur können andere folgen. Über die Zeit entsteht auf diese Weise ein Trampelpfad. Dieser wiederum kann irgendwann zu einem Weg werden. Ein Weg hat weniger den zufälligen Charakter einer Spur. Er kommt von irgendwoher und führt stets irgendwohin, er ist meistens auf ein Ziel gerichtet und das heißt: man kann einen Weg gehen, um ein Ziel zu erreichen.

Doch manchmal kommt man auch vom Weg ab. Im nun unwegsamen, schwer begehbaren Gelände kann ein Holzweg, also – so Martin Heidegger –, ein Weg, der wieder trägt, die Rettung sein und einen wieder zum eigentlichen Weg zurückbringen. Doch findet man nicht wieder zum Weg zurück, geht man weiter in die Irre. Manche mögen einem dorthin folgen, es entstehen Irrwege. Fällt niemandem mehr auf, dass man sich eigentlich auf einem Irrweg befindet, wird der Irrweg langsam zum Weg.

Vieles, was uns heute ein Weg ist, war einstmals ein Irrweg. Doch auch von einem gut gangbaren Weg kann man leicht abkommen. Zur Gefahr wird das dann, wenn viele in derselben Weise den Weg verlieren und dadurch ein Irrweg entsteht, der nicht zu ihrem eigentlichen Ziel führt.

Dieses eigentliche Ziel lässt sich als „Die Hoffnung, Mensch zu sein“ (Jeanne Hersch) bestimmen, die sich auch in der Aufforderung „Lass uns menschlich sein!“ (Ludwig Wittgenstein) spiegelt. Der Weg des Menschen ist also derjenige hin zur Menschlichkeit. Ein Irrweg ist, der die Menschen nicht zu sich selbst, zur Seelenruhe (Stoiker) führt. Die Gefahr, auf einen solchen Irrweg zu geraten, ist in der Zeit scheinbar unendlicher Möglichkeiten sehr groß. Diese Zeit – unsere Zeit – ist die Moderne.

Auf dieser Seite geht es darum, Irrwege zu erkennen und die Gründe, die dazu führen, diese Irrwege zu beschreiten, zu finden.

Menschen folgen in ihrem Handeln Gründen. Manchmal kennen sie ihre eigenen Gründe aber nicht – sie sind dann im Irrtum über ihre Absichten. Manchmal verschweigen andere ihre eigentliche Gründe aber auch, um Menschen bewusst auf Irrwege zu locken – diese werden dann getäuscht über die Absichten anderer.

Gründe jedoch stehen immer auf dem Boden einer Menge von Überzeugungen, die ein jeder Mensch hat. Diese Menge von Überzeugungen heißt auch Haltung.

Aus Haltungen erwachsen Absichten, diese wiederum motivieren Gründe.

Warum also tun Menschen das, was sie tun? Und führt es sie wirklich zu dem Ziel, das sie anstreben?

Dies ist die Frage nach Gründen. Dies ist die Frage der Philosophie: Warum?

Zum ersten Artikel