Artikel in der „Berliner Republik“: Die drinnen und die draußen – Über soziale Ausgrenzung

Der Ausschluss bestimmter Teile der Bevölkerung von der gesellschaftlichen Teilhabe, also deren soziale Ausgrenzung, ist bei modern verfassten Gesellschaften nicht mehr ein kontingentes Faktum, das die Folge verschiedener Umstände ist, sondern es ist eine ihrer notwendigen, inhärenten Eigenschaften. Denn dann, wenn die Moderne auf die unumschränkte Freiheit abstellt und dieses Freiheitsideal auch in ihrer Wirtschaftsform (dem [neo-]liberalen Kapitalismus) zum Ausdruck bringt, wenn es also das höchste Ziel dieser von anderen – ethischen – Zielen befreiten Gesellschaft ist, möglichst viel Kapital zu akkumulieren, dann ist es begriffsnotwendig so, dass es dort, wo es Gewinner gibt, auch Verlierer geben muss. Wer dann also unter diesen Bedingungen ein Gewinner sein will, der muss notwendig ein Interesse daran haben, dass er nicht zu der Gruppe der Verlierer gehört und dass überdies diese Gruppe möglichst starr bleibt. So wird die Gesellschaft in diejenigen, die drinnen sind, und diejenigen, die draußen sind, geteilt. Davon handelt mein Artikel, der in der aktuellen Ausgabe 2/2013 der Berliner Republik erschienen ist.

Den Volltext des Artikel gibt es unter diesem Link zu lesen. Er ist erschienen in der Online- und der Print-Ausgabe der Berliner Republik, Ausgabe 2/2013, die hier zu beziehen ist.

 

Dies ist der nicht redigierte Originaltext:

 

Drinnen und draußen: wie Menschen überflüssig gemacht werden

In stark ökonomisch ausgerichteten Gesellschaften sind nur diejenigen Menschen Teil der Gesellschaft, deren Arbeitskraft verwertbar ist. Arbeitslosigkeit ist ein Stigma und führt zu sozialer Ausgrenzung. Dabei liegt es nur noch sehr eingeschränkt in der Verantwortung des Einzelnen, ob er Arbeit findet oder nicht. Ein nutzloser Mensch ist man nicht, man wird zu ihm gemacht.

Menschlicher Abfall

Vor acht Jahren formulierte der polnisch-britische Soziologe Zygmunt Bauman in seinem Buch „Verworfenes Leben“ eine starke These: moderne Gesellschaften erzeugen notwendig eine Gruppe von Menschen, die keinen Platz in der Gesellschaft finden. Er nannte diese Personen menschlichen Abfall. Die darauf folgende Entrüstung lässt sich leicht vorstellen. Sie ist jedoch kaum glaubhaft in Anbetracht der alltäglichen entwürdigenden Reden, die sich etwa Hartz-IV-Empfänger anhören müssen. Guido Westerwelle spricht in Bezug auf ihren Lebensstil von spätrömischer Dekadenz und die knappe Heizkostenpauschale hat der damalige Finanzsenator Berlins, Thilo Sarrazin, damit kommentiert, dass man sich in kalten Wohnungen eben einen „dicken Pullover“ anziehen müsse. Auch die tatsächliche Behandlung der Hartz-IV-Empfänger macht die Entrüstung nicht verständlicher. Genau so, wie Müll aus den Augen derjenigen, die ihn produzieren, nämlich an den Stadtrand, verbracht wird, um ihn dort zu lagern, werden auch die SGB-II-Bezieher per Mietobergrenze in Zeiten exorbitant steigender Mieten faktisch am Stadtrand endgelagert. Der Begriff des menschlichen Abfalls muss also aus einem anderen Grund aufregen. Dieser Grund ist rein begrifflich einfach der, dass es Abfall nur dort geben kann, wo er von jemandem produziert wird. Das aber würde bedeuten, dass der menschliche Abfall das Produkt der Bevölkerungsteile ist, die zur Gesellschaft dazu gehören. Wer aber möchte schon mit solch einem Vorwurf leben? Schließlich, so die Entschuldigung, kann doch niemand etwas dafür, dass die, die eben nicht in der Lage sind, sich anzustrengen und sich anzupassen, nun konsequenterweise arbeitslos als Transferleistungsempfänger enden. Ginge es tatsächlich um Arbeitslose, wäre die Aufregung noch zu verstehen. Denn Arbeitslosigkeit ist ein vorübergehender Zustand, der mit der Aufnahme von Arbeit endet. Moderne Gesellschaften aber produzieren immer mehr Menschen, die dauerhaft nutzlos und daher überflüssig sind. „>Überflüssig< zu sein bedeutet, überzählig und nutzlos zu sein, nicht gebraucht zu werden“, so Bauman weiter. Aber wer sollte in Zeiten des angeblichen Fachkräftemangels jemanden freiwillig als überflüssig erklären? Einen Hinweis darauf liefert die Analyse dieses Begriffs.

Immer weniger Arbeit, immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse

Zunächst erscheinen die statistischen Zahlen recht erfreulich. Mit knapp 42 Millionen Personen gibt es derzeit die höchste Erwerbsbeteiligung, die je in der Bundesrepublik gemessen wurde. Der zweite Blick offenbart, um welche Art von Arbeit es sich handelt. Laut dem Statistischen Bundesamt ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 1996 und 2011 von 24,6 Mio. auf 23,6 Millionen zurück gegangen, während die Anzahl der atypischen Beschäftigungen, also so genannte 450-Euro-Jobs oder befristete Beschäftigungen, im selben Zeitraum von 1 Million auf 2,6 Millionen und Leiharbeitsverhältnisse, zu denen Zahlen erst seit 2006 vorliegen, von 562.000 auf 775.000 angestiegen sind. Außerdem geht die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden seit 1991 kontinuierlich zurück. Diese Zahlen bilden jeweils signifikante Trends und keine Ausnahmen ab. Zusammen mit der Tatsache, dass derzeit rund eine Viertel Million Personen, die von der Bundesagentur für Arbeit als Hochqualifizierte und Fachkräfte eingestuft werden, als arbeitslos geführt werden, lässt das die Frage zu, wie das mit dem  angeblich grassierenden Fachkräftemangel vereinbar ist. Bestünde dieser Mangel wirklich, so ist doch anzunehmen, dass die Unternehmen versuchen würden, dieses Potenzial an qualifizierten Arbeitslosen zu nutzen, was sich in einer steigenden Zahl an festen Arbeitsverhältnissen und einer sinkenden Zahl der arbeitslosen Hochqualifizierten niederschlagen müsste. Beides ist jedoch nicht der Fall. Die deutsche Bahn beispielsweise kann ihren Bedarf an Arbeitskräften nach eigenen Angaben – abgesehen von unternehmensspezifischen Jobs wie beispielsweise Lokführern – auch tatsächlich derzeit am Markt decken. Ähnliches gilt auch für ThyssenKrupp.

Unternehmen verzichten auf Fachkräfte

Das Angebot an Arbeitskräften ist anscheinend noch so groß, dass es sich die Unternehmen erlauben können, auf geeignete Fachkräfte sogar zu verzichten. Dies tun sie nämlich regelmäßig beispielsweise dann, wenn die Bewerber dick sind, nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, einen falschen – insbesondere ausländischen – Namen tragen oder das falsche Geschlecht haben. Es gibt eine Vielzahl an Studien (vgl. zum Beispiel: „Ethnic Discrimination in Germany‘s Labour Market: A Field Experiment“, Leo Kaas und Christian Manger, Fortschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Discussion paper 4741, 2010; „Are Good-Looking People More Employable?”, Bradley Ruffle and Shtudiner Ze’ev, SSRN Electronic Journal, 2011; „Stigmatization of Obese Individuals by Human Resource Professionals: an Experimental Study”, Katrin Giese u.a., BMC Public Health 12 (1): 525, 2012), die belastbar nachweisen, dass diesen Menschen der Zugang zum Arbeitsmarkt erheblich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht wird, sofern es sich bei der zu besetzenden Stelle um einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz handelt. Die Hamburger BWL-Professorin Sonja Bischoff verweist in ihren Untersuchungen gar darauf, dass das äußere Erscheinungsbild entscheidend dafür ist, ob man einen Job bekommt. Qualifikation ist somit keineswegs das ausschlaggebende Kriterium zur Stellenbesetzung. Das zeigt sich ganz deutlich beispielsweise an der im Verhältnis zu Anzahl und Qualifikation der Bewerberinnen eklatanten Unterrepräsentation von Frauen in qualifizierten Positionen. Außerdem belegt eine aktuelle Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes („Vollzeitbeschäftigte mit Berufsausbildung im Niedriglohnsektor“, Wilhelm Adamy, Deutscher Gewerkschaftsbund, 2012), dass im Niedriglohnbereich, wo üblicherweise schlecht oder nicht ausgebildete Personen tätig sind, rund ein Fünftel der Beschäftigten eine Berufsausbildung hat. Das Mantra, Bildung würde sich lohnen, das etwa der alle zwei Jahre erscheinende Nationale Bildungsbericht regelmäßig vorträgt, erscheint vor diesem Hintergrund als durchaus fragwürdig. Das also ist des Pudels Kern: Da die Unternehmen in so vielen Fällen nicht in der Lage sind, Fachkräfte überhaupt zu identifizieren, können sie es sich offenbar erlauben, auf diese Arbeitskräfte einfach zu verzichten. Tatsächlich ist das Angebot insgesamt nämlich sehr groß und einen grundsätzlichen Fachkräftemangel gibt es so nicht. Eine Tatsache, die Bauman mit der Feststellung kommentiert: „Unser Planet ist überfüllt.“ Die Bewerberlage ist im Schnitt so, dass zum Beispiel bei der Bahn die Vorauswahl der Bewerber schnell und nach groben Kriterien erfolgen kann, weil trotz einer derart groben Auswahl am Ende immer noch ausreichend geeignete Kandidaten übrig bleiben. Dies ist bei vielen anderen Unternehmen nicht grundsätzlich anders. Selbstverständlich kann es hier und da unbestritten zu Engpässen an Fachpersonal kommen. Wenn es aber in einer Region und nur an bestimmten Fachkräften mangelt, begründet das noch keinen Mangel im Allgemeinen, sondern ein Passungsproblem, wie es in freien Gesellschaften notwendig vorkommt – und immer schon vorkam.

Fachkraft ist nicht, wer qualifiziert, sondern wer ökonomisch verwertbar ist

Trotzdem wird von einem allgemeinen Fachkräftemangel gesprochen und allein diese Rede offenbart eine Geisteshaltung, die bereit ist, Menschen für überflüssig zu erklären. Denn „Fachkräftemangel“ meint hier ja einen Mangel an den Berufen, die zufällig gerade stark nachgefragt werden. Im Moment trifft das hauptsächlich auf Ingenieure oder Informatiker zu (das war vor nicht allzu langer Zeit noch vollkommen anders). „Fachkraft“ ist also nicht mehr, wer hoch qualifiziert ist, sondern allein, wer ökonomisch verwertbar ist. Wohin der alleinige Maßstab ökonomischer Verwertbarkeit im Allgemeinen führt, zeigt der amerikanische Moralphilosoph Michael J. Sandel in seinem Buch „Was man für Geld nicht kaufen kann“, in dem er zum Beispiel fragt, ob es wirklich richtig ist, wenn Hochschulzulassungen käuflich sind oder Unternehmen gegen Geld die Umwelt verschmutzen dürfen. In so einer Zeit, in der alles anhand ökonomischer Maßstäbe bemessen wird, gibt es notwendig Menschen, die nach diesen kontingenten und ständig wechselnden Maßstäben ökonomisch nicht verwertbar sind und daher für überflüssig erklärt und zu menschlichem Abfall gemacht werden.

Für überflüssig erklärt zu werden bedeutet, weggeworfen zu werden, weil man ein Wegwerfartikel ist. […] >Überflüssigkeit< bewegt sich im gleichen semantischen Umfeld […] wie Abfall. […] Die Arbeitslosen – die >industrielle Reservearmee< – sollten noch ins Erwerbsleben zurückgeholt werden. Der Bestimmungsort von Abfall ist die Abfallecke im Hinterhof, die Müllhalde.

Mag diese Formulierung drastisch klingen, so deutet sie auf das wesentliche Problem dieses Konzepts von Fachkräftemangel und zugleich auf einen der zahllosen inhärenten Fehler derart durchökonomisierter Gesellschaften hin, in denen ökonomische Werte wie Gewinn oder Dividende anstelle moralischer gesetzt werden. Wer in der Gesellschaft als Fachkraft erscheint, entscheidet sich eben nicht mehr nach der Kompetenz, sondern ist ausschließlich abhängig von volatilen Zuschreibungen anderer. Mit anderen Worten, es kann jeden treffen, plötzlich nicht mehr Fachkraft, sondern überflüssig, zu sein. Es ist auf diese Weise eine Scheidelinie in modernen Gesellschaften entstanden zwischen denen, die dazu gehören und denen, die überflüssig sind. Man muss nun kein Marxist sein, um zu erkennen, dass seine dialektische Analyse insoweit stimmt, als es begriffsnotwendig Verlierer geben muss, wenn es Gewinner gibt. Unter den gegenwärtigen ökonomisierten Bedingungen heißt dass, wenn es Menschen gibt, die dazu gehören wollen – die drinnen sind –, bedürfen sie notwendig der Überflüssigen – die draußen sind und es am besten auch bleiben.

Wer drin bleiben will, braucht jemanden, der draußen ist

Studien wie beispielsweise die soeben von der Bertelsmann Stiftung vorgestellte Untersuchung „Mittelschicht unter Druck?“ von Christoph Burkhardt u.a. zeigen, dass insbesondere die Mittelschicht Angst vor Jobverlust und dem damit verbundenen sozialen Abstieg zum menschlichen Abfall hat – sei diese Angst nun begründet oder nicht. Der menschliche Abfall eignet sich deshalb auch sehr gut, um als Drohkulisse Verwendung zu finden. Denn wer Angst hat, nach draußen zu müssen, der wird selbstverständlich jede Dreistigkeit seines Arbeitgebers hinnehmen, um nicht dorthin zu gelangen. Außerdem wird er die Scheidelinie zementieren, die ihn drinnen bleiben lässt, wodurch sich das System selbst erhält. Eine dazu geeignete und übliche Praxis ist beispielsweise, immer neue Qualifikationsniveaus als Zugangskriterium zu Arbeitsstellen zu erfinden. Die zahllosen neuen, hoch spezialisierten Bachelorstudiengänge und wie Pilze aus dem Boden schießende Fortbildungsangebote geben davon Zeugnis. Auf diese Weise lässt sich ein Bewerberkreis selbstverständlich klein halten. Außerdem ist es dann allein die Schuld der nach den neuen Anforderungen schlecht qualifizierten Bewerber, wenn man keinen geeigneten Kandidaten findet. An dieser Stelle sei übrigens die Frage erlaubt, wie viele von denen, die heute Jobs vergeben, nach ihren eigenen, heute geltenden Maßstäben, die Stelle, die sie bekleiden, noch bekommen hätten. Das dürften die wenigsten sein. Sind sie deswegen unqualifiziert? In den meisten Fällen sicherlich nicht. Doch warum erhöhen sie dann die Zugangsbedingungen für andere derart? Die Antwort auf diese Frage macht deutlich, welche Funktion die für nutzlos erklärten Menschen erfüllen: je starrer die Gruppe derjenigen, die draußen sind, ist, desto starrer ist auch die Gruppe derjenigen, die drinnen sind. Wie starr die Gruppe allein der Hartz-IV Empfänger ist, zeigen nicht nur Daten der Bundesagentur, aus denen hervor geht, dass der Sprung nach drinnen äußerst schwierig ist. Der Zweck des menschlichen Abfalls ist es also, in einer volatilen Welt die Grenzen zwischen drinnen und draußen festzuzurren und so den Abstieg derjenigen, die drinnen sind, zu verhindern. Eine andere Erklärung wirkt unglaubwürdig angesichts dessen, dass die übliche Doktrin, derzufolge in einer freien Wirtschaft der Bessere sich durchsetzen wird, hier nicht greift. Denn diese Doktrin kann weder erklären, wieso der Gruppe der Hartz-IV-Empfänger so viele hoch qualifizierte und hoch gebildete Personen angehören, noch wieso unternehmerisch gescheiterte Banken um jeden Preis vom Staat gerettet werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Studie „Die neue Umverteilung“ von Hans-Ulrich Wehler, in der er über die Ungleichheit in der deutschen Wirtschaft sagt: Es verläuft ein sozialer Konzentrationsprozess, „der die elitäre Schließung hin zu einer verblüffenden Homogenisierung vorangetrieben hat, die das Schlagwort von der offenen Leistungsgesellschaft dementiert.“

Der Preis der Ungleichheit

Die starre Trennung der Gesellschaft in diejenigen, die drinnen sind und diejenigen, die draußen sind, erzeugt eine dauerhafte Ungleichheit. Der „Preis der Ungleichheit“ ist dem gleichnamigen Buch des Nobelpreisträgers für Wirtschaft, Joseph Stiglitz, zu Folge eine Destabilisierung des Rechtsstaats, weil der soziale Frieden zerstört wird. Die Konsequenzen einer derart segregierten Gesellschaft, in der sich einzelne Gruppen aus der Verantwortung für die gesamte Gesellschaft zurückziehen, lassen sich in Walter Wüllenwebers Buch „Die Asozialen“ nachlesen.

Zu einer entwickelten und stabilen Gesellschaft gehört es, dass sich nicht eine Gruppe auf der anderen ausruht. Doch genau das geschieht, wenn man in großem Stil Menschen für nutzlos erklärt, um selbst seinen Status wahren zu können. Da hilft es auch nichts, wenn man den selbst produzierten menschlichen Abfall für die Zumutung des dauerhaften Ausschlusses aus der Gesellschaft mit im Verhältnis dazu lächerlichen Almosen ruhig zu halten versucht und sich selbst glauben machen will, dass jeder die gleichen Chancen habe und somit für sein Glück selbst verantwortlich sei. Solange man jeden Wert als ökonomischen begreift, wird es zu keiner gerechten, stabilen und vor allem gesunden Gesellschaft kommen. „Macht“, so der amerikanische Philosoph John Searle, „kommt nicht aus Gewehrläufen, sondern aus Institutionen“. Gegen die Macht derjenigen, die drinnen sind und die Institutionen beherrschen, kommen die von draußen nicht an. Das nährt immer mehr ein Gefühl der Machtlosigkeit, das einen Nährboden für Gewalt darstellt, wie sie in den Banlieues von Paris, den Vororten Londons und an immer mehr Orten bereits zu beobachten ist. Aber das mussten diejenigen, die drinnen sind, immer erst durch Revolutionen lernen. Zu mehr als verhältnismäßig kleinen Ausbrüchen wird es allerdings vermutlich nicht mehr kommen, denn im Gegensatz zu allen früheren Zeiten hat man diejenigen, die draußen sind, jetzt flächendeckend mit Flachbildfernsehern und Computerspielen versorgt.

 

 

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