Das Ende der Universität

Dass dem Modernen, der alles nach Effizienzkriterien bemisst, all das ein Graus ist, was nicht in seine engen Maßstäbe passt, kann nicht weiter verwundern. Welche Gefahr von den Modernen aber ausgeht, wenn sie nur an den richtigen Stellpulten der Macht sitzen, in die sie sich zuvor gegenseitig befördert haben, bekommen die zu spüren, die die Konsequenzen dieser Blödheit tagtäglich zu ertragen haben.

Im hier zitierten Essay äußert sich der angesehene Professor Bernd Rüthers, der über 45 Jahre Lehr- und Forschungserfahrung verfügt und daher die Entwicklung des universitären Bereichs über einen langen Zeitraum miterlebt hat, sehr skeptisch über den Fortbestand der – einmal sehr angesehenen – Institution der deutschen Universität. Im Kern geht es darum, dass die Sprache der Wirtschaft, die im Übrigen ja bereits nahezu alle menschlichen Bereiche verseucht hat, immer mehr auf die Universitäten angewendet wird. Nun sind die Bereiche Wirtschaft und Wissenschaft aber disparat. Eine Vermengung führt daher zum Tod einer von beiden.

Folglich stellt Rüthers fest:

So wurde nicht nur die Zusammensetzung der Leitungsgremien, sondern auch die Profile der Rektoren und Präsidenten sowie der universitären Verwaltungsspitzen der ökonomischen Ausrichtung des „Unternehmens Universität“ angepasst. An der Spitze gefragt sind nicht mehr erfahrene und bewährte Wissenschaftler, sondern geschickte, biegsame, smarte Manager mit mehr politischen als wissenschaftlichen Karrierevorstellungen, die der jeweiligen Landesregierung möglichst ergeben sind, jedenfalls keine Probleme machen. Die Qualität der bisherigen „Reformen“ wurde und wird durch die Bildungshorizonte und Persönlichkeitsprofile der jeweiligen Landesregierungen und ihrer führenden Parteien bestimmt.

Es ist kaum überraschend, dass echte Wissenschaftler, also diejenigen, die wirklich an der Sache und ihrem Forschungsgebiet interessiert sind, die Universität wohl kaum noch als attraktives Arbeitsumfeld empfinden werden. An die Universität werden diejenigen gehen, die nicht zur Spitze in ihrem Bereich gehören. Und spätestens seit Machiavelli wissen wir, dass Vorgesetzte bestrebt sein sollten, sich nur mit schlechter qualifizierten zu umgeben, damit sie stets als Größe erscheinen können. Wenn aber die Zweitklassigen ihre Mitarbeiter aussuchen, lässt das erahnen, wen sie sich aussuchen werden.

Das alles führt dazu, dass die Chance, Universitätslehrer zu werden, für die Begabtesten vieler Studiengänge nicht mehr die erste Wahl bedeutet. Der Weg in die Zweitrangigkeit der Bewerber kann in mittlerer Sicht die Zweitrangigkeit der deutschen Universitäten programmieren.

 

Den ganzen, sehr lesenswerten Artikel gibt es hier.

 

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