Wir coachen uns die Welt, wie sie uns gefällt

Wohl kein Wirtschaftszweig ist in den letzten Jahren so stark gewachsen wie die Coaching-Industrie, die zudem auch gerade erst entstanden ist. So genannte Coaches sind eben so zahlreich wie die Themen, die sie bearbeiten. Das Beeindruckende ist, dass dieses Wachstum letztlich ohne ein generisches Produkt möglich ist. Während bei herkömmlichen Dienstleistungen zwar auch kein Produkt im gewöhnlichen Sinne hergestellt wird, so wird doch üblicherweise aufgrund der Kompetenz eines Dienstleisters, der sich in seinem Fachbereich auskennt, ganz im griechichen Sinne der herstellenden poiesis, etwas in der Welt erschaffen – der Kunde oder die Kundin bekommt eine neue Frisur, ein Brief wird transportiert, es wird augrund fachlicher Erkenntnis empfohlen, ein Haus in bestimmter Weise zu isolieren, um Energie zu sparen. Gemeinsam ist diesen Dienstleistungen, dass sie alle einen Gegenstand haben (Haare, Briefe oder Häuser), auf den Techniken (ebenfalls ganz im Sinne der griechischen techne) angewandt werden, die mit dem Gegenstand selbst nichts zu tun haben, um ein bestimmtes Ziel zu ereichen. Das heißt: Es liegt nicht allein im Haar, welche Frisur daraus wird. Es ist der Friseur, der aufgrund seiner Kompetenz das Haar betrachtet und aufgrund seiner Einschätzung, wie mit diesem Haar zu verfahren ist, auch verfährt. Selbstverständlich kann die Kundin Wünsche äußern. Aufgrund eben seiner Kompetenz aber mag der Friseur auch widersprechen und bestimmte Frisuren nicht für bestimmte Haare empfehlen. Das gilt analog für Briefe und Häuser. Selbstverständlich kann die Hausherrin ein offenes Fenster schön finden, weil es so schön die frische Luft ins Haus bringt. Energetisch führt das jedoch zu Problemen im Winter – unabhängig von der Meinung der Hausherrin, die in diesem Falle im Konflikt mit dem angestrebten Ziel steht.

Von diesen Arten von Dienstleistungen ist die Coachig-Industrie streng unterschieden. Schaut man sich zufällig ausgewählte Selbstdarstellungen der Coaches an, dann ist das gebetsmühlenartig wiederholte Credo im Regelfalle: Wir, die Coaches, tun gar nichts, wir haben lediglich die Kompetenz, all das aus Ihnen herauszuholen, was schon drin ist. Die Coaching-Industrie verzichtet also auf ein inhaltliches Kriterium, das sie als Bewertungsmaßstab an ihren Gegenstand (in diesem Fall den Klienten) anlegt. Das unterscheidet sie im Übrigen auch streng von der Philosophie. Zwar ist es ebenfalls das Ziel der Philosophie, Menschen dadurch zur Einsicht zu führen, dass diese durch geschicktes Fragen selbst dahin kommen (das ist ja die berühmte sokratische Maieutik). Die Philosophie kennt jedoch neben der formalen Richtigkeit auch noch materiale und damit inhaltliche Standards. Jedes philosophische Gespräch findet deshalb immer zugleich entlang der Frage statt, ob das Gesagte denn auch richtig ist. Ausgehend von der allgemeinen Richtigkeit kann dann auf individuelle oder persönliche geschlossen werden. Wenn also jemand auf die Idee käme, dass beispielsweise Kunst das sei, was gefällt (ein beliebts Thema in platonischen Dialogen), dann müsste ein Coach zustimmen, solange auf diese Einsicht formal richtig geschlossen wurde und sie dem Klienten gefällt – denn der Maßstab ist der Klient. Der Philosoph jedoch würde widersprechen und darauf hinweisen, dass etwas zwar von irgendjemandem als schön oder angenehm empfunden werden könne, dass es sich deshalb jedoch mitnichten notwendig um Kunst handele. Der Philosoph würde herauszufinden versuchen, was Kunst ist, um dann zu prüfen, ob jemand diese Kunst auch schön findet oder nicht. Eine Frage ist es, was Kunst ist. Eine andere, ob die Kunst gefällt. Das ist der genau umgekehrte Weg – der Philosoph geht von der Sache oder der Frage aus und gelangt dann zu den Menschen. Der Coach verharrt lediglich beim Menschen und arbeitet an dessen Befindlichkeiten. Damit erweist sich so genanntes Coaching als Stereotyp einer modernen Tätigkeit, weil es nur bloße Form ist.

Selbstverständlich trifft die Kritik an der Moderne dann auch in derselben Weise das so genannte Coaching. Die Kritik lässt sich vereinfacht so zusammenfassen: Welchen Sinn ergibt es, sich ausschließlich über die Form eines Glases Gedanken zu machen, wenn man doch nicht weiß, was eine Flüssigkeit ist? Man verharrt in diesem Fall ausschließlich an der Oberfläche – jede beliebige Form des Glases muss begrifflich notwendig gut sein, weil sie ja keinen Bezugspunkt hat, anhand dessen man die Qualität der Form bemessen könnte. Übertragen auf so genanntes Coaching, das sich ja eines materialen Standpunkts enthebt, heißt das: die einzige Aussage, die ein Coach im Grunde machen kann, ist: alles ist gut! Wir, die Coaches, arbeiten allenfalls daran, wie man erscheint (auch das ist ja ein Charakteristikum der Moderne, dass der Ästhetik der Vorzug vor der Ethik gegeben wird).

Man muss dann auch nicht lange suchen und findet in Katharina Saalfrank, die als Vorzeigekindererziehungscoach durch die Republik tourt, den Prototpy eines stereotypen Coaches. Ihr aktuelles Buch trägt nämlich bezeichnenderweise den Titel:

Du bist ok, so wie du bist. Das Ende der Erziehung“.

Dieser Titel spiegelt im Grunde den Geist und das intellektuelle Niveau der gesamten Coachingideologie. Als allgemein gültige Ausssage ist dieser Satz selbstverständlich Unsinn. Denn logisch folgt daraus, dass alles, wie es ist, gut ist, was selbstverständlich jedwede Unterscheidung unmöglich macht. Vielleicht mag das aber sogar ein Ziel sein, denn wenn alles gut ist, kann ja nichts schlecht sein. Also kann ein Coach seinem Klienten nur gute Nachrichten verkaufen. Ein bisschen verhält es sich bei dieser Strategie wie in Hans Christian Andersens Märchen: „Des Kaisers neue Kleider“ – wie die Welt ist, ist im Grunde egal. Wie man sie sich zurecht legt, ist das Entscheidende.

Dass alles gut ist, insofern es ist, hatte zuvor bereits Augustinus in seinen Confessiones (Buch 7, Kapitel 12) behauptet. Freilich hat er diese Feststellung auf das gesamte Sein bezogen und geht damit weit über die lediglich auf den Menschen eingeschränkte Sichtweise des Coaches hinaus. Augustinus antwortet mit diesem Satz auf die Frage, woher das Böse in der Welt kommt. Gültigkeit erlangt Augustinus` These aber nur, weil er die Existenz eines guten Gottes unterstellt. Alles ist insofern gut, weil es so von diesem guten Gott beabsichtigt ist. Nun ist es aber gerade dieser Gott, der den Modernen abhanden gekommen ist. Geblieben ist dem Modernen deshalb nur er selbst als alleiniger Maßstab. Der deutsche Philosoph Dieter Henrich hat seinem Buch über den deutschen Idealismus nicht umsonst den treffenden Titel „Grundlegung aus dem Ich“ gegeben.

Das wirft umso mehr die Frage auf, was es bedeuten soll, „ok“ zu sein. Was soll dieses Wort bedeuten, wenn sich der moderne Mensch und mit ihm der Coach zuvor doch trickreich eines jeden Maßstabs zur Bewertung entzogen hat? Die Rede, dass etwas gut ist, ist sprachlich eben nur dann sinnvoll, wenn auch etwas schlecht sein kann. Ohne einen solchen Maßstab, an dem sich die Worte messen lassen können müssen, verkommen sie zu bloßen Hülsen. Tatsächlich kann man sich genau dieses Eindrucks nicht erwehren, wenn man aufmerksam zur Kenntnis nimmt, welchen Schwall an Wörtern so mancher Coach produziert. Bei Augustinus kommt das Böse durch die Willensschwäche des Menschen in die Welt und laut den Coaches verhält es sich offenbar tatsächlich ganz ähnlich. Es ist einfach die Schwäche des Menschen, die dazu führt, dass sich die Menschen ständig nackt und nicht in neuen Kleidern sehen, so dass sie fortwährend die falschen Wörter benutzen anstatt des fabelhaften Coaching-Neusprechs. Überhaupt scheinen die Menschen sich ständig des Orwell’schen Doppeldenks und der Gedankenverbrechen schuldig zu machen, wenn sie sich bloß fragen, ob sie etwas falsch gemacht oder vielleicht sogar Schuld auf sich geladen haben.

Nein! Niemand ist schlecht!, sagt der Coach. Du hast deinen Nächsten ermordet? Was soll’s! Du bist ok, so wie du bist! Du fühlst dich schlecht wegen der Schuld, die du dadurch auf dich geladen hast? So ein Quatsch, du stehst halt neuen Herausforderungen gegenüber, bei deren Bewältigung du etwas Neues gelernt hast. Dein Mann ist gestorben, dein Haus abgebrannt und du bist entlassen worden? Wer wird denn dies als bedrückende Situation wahrnehmen? Jeder erlebt einmal solche Krisen, für die du aber zutiefst dankbar sein solltest, denn nur dadurch kannst du lernen und gestärkt aus dieser Krise herauskommen!

Die Coaching-Strategie ist klar: die Negation, das Nein!, das man vielleicht manchmal angesichts der Dinge, die man erlebt, sagen möchte, wird zu negativer Energie umgedeutet und dadurch zu etwas Schlechtem. Nein, selbstverständlich nicht eigentlich zu etwas Schlechtem, denn alles ist ja gut, sondern zu einer Herausforderung, der man sich stellen muss. Dass es natürlich keine negative Energie gibt, sondern die Physik – die harte Naturwissenschaft, bei der man sich bedient hat, um offenbar das schwache Bild der negativen Energie überzeugender zu machen – nur positive oder negative Ladungen kennt, Energie aber für sich genommen weder positiv noch negativ ist, macht einmal mehr deutlich, worum es hier eigentlich geht: um Wortverdrehungen, nicht um Begriffsarbeit oder Untersuchungen, was Begriffe bedeuten. Alles, was – in alten Begriffen – irgendwie negativ klingt, soll aus der Sprache getilgt werden, bis nur noch Jubelsprech übrig bleibt. Die Negation muss weg! Der Streit muss weg! Kritik wird ihrer radikalen Komponente beraubt und nurmehr als Ratschlag aufgefasst.

Der Mensch ist aber kein so schlichtes Wesen, wie das stark verzerrte Weltbild solcher  Coaches glauben machen möchte. Der Mensch entsteht – und vergeht. Er kann etwas schaffen – und etwas vernichten. Werden und Vergehen sind wesentliche Aspekte des menschlichen Lebens. Ohne Negation könnte der Mensch überhaupt nicht sein. Solche Negationen sind zum Beispiel der Tod, Mord, Elend im Allgemeinen. Dass es sie gibt, wird jeden Tag nicht zuletzt durch die Medien gezeigt, sondern ist alltägliche Erfahrung. Die Aufgabe des Menschen kann nun nicht darin bestehen, diese Negationen auszublenden oder positiv umzudeuten, sondern eine Art und Weise zu finden, sich dazu zu verhalten. „Allgemein in der menschlichen Natur liegt der Trieb nach Erkenntnis„, stellt Aristoteles zu Beginn seiner Metaphysik fest. Der Mensch will etwas wissen, weil ihm bewusst ist, wohin Unwissen führt. Wissen hat auch etwas mit Glück zu tun und der Mensch strebt auch nach Glück, weil er spürt, was Unglück bedeutet. Der Mensch ist umgeben von Dualismen. Nun mag es selbstverständlich sein, dass sich diese Dualismen in etwas Höheres aufheben lassen (wie einige fernöstliche Philosophien oder auch die mittelalterliche Mystik behaupten). Eines jedoch ist sicher, wenn man eine von zwei Seiten lediglich ausblendet, bleibt nicht die andere über, sondern verschwindet. Denn beide Seiten hängen zusammen. Ohne Negation gibt es auch nichts Positives – das ist erneut eine begriffliche Einsicht.

In der Zeit war genau zu diesem Thema ein sehr erhellender Artikel zu lesen, der an dieser Stelle sehr empfohlen sei: Die Wohlfühl-Lüge

Wer die Negation aus der Sprache entfernen will, der sorgt dafür, dass sie sich am Ende woanders Bahn bricht. Wer den Menschen in eine positive Schablone pressen will, der zerstört den Menschen, weil er das Wesen des Menschen nicht anerkennt und somit gleichsam von falschen Voraussetzungen ausgeht.Wer den Menschen verstehen will, der muss ihn in seiner Gesamtheit verstehen. Wer Verstehen will, braucht einen Maßstab, anhand dessen er urteilen kann. Wer dem Menschen helfen will, der muss ihn zuvor verstehen. Nur der, der einen Maßstab hat, den er begründen und an dem man sich reiben und zu dem man sich im Gespräch verhalten kann, nur der nimmt den Menschen wirklich ernst, weil er gemeinsam mit ihm die Welt und den Menschen zu verstehen versucht und weil er gemeinsam mit ihm am Verstehen arbeitet, weil er widerspricht, wo der andere irrt, und den Widerspruch annimmt, wo er selbst im Irrtum ist.

Beraten kann nur, wer etwas besser weiß als der andere.

Beraten werden kann nur der, der weiß, dass er etwas nicht weiß und dass etwas nicht zu wissen und deshalb beraten zu werden, keine Schande ist, sondern vielmehr das menschliche Leben.

Philosophieren können nur die, die – in einem Dialog begriffen – vorbehaltlos nach dem Sinn (oder auch der Wahrheit) der Welt suchen, wissend, dass etwas falsch sein kann und mag es einem auch noch so sehr gefallen.

Der aber, für den alles ok ist, der Erkenntnis durch Sprachverdrehung unmöglich macht, indem die Fähigkeit zur Unterscheidung einfach per definitionem genommen wird, derjenige hat keine Sprache. Er wird zu Nietzsches Stammelndem (Zarathustra, Buch 1, Kapitel 5) Wer aber keine Sprache hat, der kann auch nicht verstehen, er kann nicht suchen und auch nicht finden. Wer dann trotzdem mit anderen spricht, hat ihnen nichts zu sagen, weil er nur an Begriffen dreht. Wer aber nichts zu sagen hat, sollte besser schweigen und innehalten, um zu sich zu kommen, anstatt lediglich wohl klingenden Unsinn zu produzieren. Vor diesem Hintergrund wird der Wunsch Peter Bieris um so verständlicher:

Ich möchte in einer Kultur der Stille leben, in der es vor allem darum ginge, die eigene Stimme zu finden.

Doch schaut man sich beliebige Internetpräsenzen verschiedener Coaches an, findet man auf vielen davon nur Gestammel. Da hilft es auch nichts, das Selbstbild seiner eigenen Arbeit als unter dem Stichwort „Philosophie“ auf die Coaching-Homepage zu schreiben. Diese Verwendung des Wortes Philosophie hat nämlich mit dessen eigentlicher Bedeutung rein gar nichts zu tun. Philosophie sollte man lieber denen überlassen, die den Sinn dieses Begriffs wirklich verstehen wollen.

Um abschließend noch einmal Folgendes zu betonen: Niemand weiß alles – das ist das menschliche Leben. Deshalb helfen sich Menschen gegenseitig, sie beraten sich. Dadurch wird Fortschritt möglich. Aber, wer beraten will, muss auch etwas zu sagen haben. Nur im Diskurs, im Dialog, im Gespräch kann man gemeinsam voran kommen. Wer in der bloßen Form erstarrt, tritt auf der Stelle.

Der antike Auftrag Erkenne dich selbst! bedeutet allererst, den Rahmen zu verstehen: Was ist ein gutes Leben? Was ist ein glückliches Leben? Was ist die beste Verfassung des Zusammenlebens? Ausgehend von dieser allgemeinen Untersuchung erfolgt dann – in (damals: philosophischen) Gesprächen oder auch Beratungen – die Bewertung des eigenen Verhältnisses dazu, das affirmativ oder ablehnend sein kann. Erst vor dem Hintergrund der allgemeinen Frage bekommt die individuelle Position ihr Gewicht und ihre Bedeutung. Das Urteil des einzelnen ist weder denkbar noch möglich ohne den Hintergrund der Allgemeinheit. Wer aber daran geht, den Einzelnen zum Allgemeinen aufzublähen, macht jedwedes Urteilen zunichte, weil es keine Verankerung mehr hat und nur noch um den einzelnen kreist. Dann ist eben jeder „ok“, so wie er ist. Doch was sagt das, wenn die Möglichkeit, nicht „ok“ sein zu können, systematisch ausgeschlossen wurde? Ein solches neues Kleid sieht nach kurzer Zeit noch nicht einmal mehr schön aus. Und das wird der Mensch früher oder später hart zu spüren bekommen. Dann nämlich, wenn alle Illusion dahin ist und die Realität ins Leben einbricht. Memento mori!

One Reply to “Wir coachen uns die Welt, wie sie uns gefällt”

  1. Dieser Artikel bestätigt mich in der Meinung, dass es dringend ein „Philosophen-Gesetz“ geben muss, dass es Fachfremden verbietet, mit angeblicher Philosophie zu werben oder ihre Erkenntnisse aus dem Wochenendkurs fuer Laien als angebliche Philosophie auszugeben. Hierbei spreche ich nicht nur von der unueberschaubar heterogenen Menge von „Coaches“, sondern auch von andersfachlichen Akademikern mit Beratungsanspruch, die teils wesentlich besser in einer Lobby organisiert sind als Philosophen und im Gegensatz zu jenen laengst ueber Berufsgesetze verfuegen. Diese verstuenden begriffliche Diskussionen wie die hier erfolgten nicht im Ansatz, benoetigen jedoch auch keinerlei begriffliches Grundlagenwissen, um sich nicht nur selbst zu privilegieren, sondern auch mit Unverfrorenheit auf angebliche „Philosophie“ zu rekurrieren, die sie meist aus Versatzstuecken von Freizeitlektuere zusammengerafft haben. Rechtlich ist diesem Treiben bislang kein Riegel vorzuschieben, und so existiert neben der offenkundigen Absenz von Philosophie in zahlreichen Coachings auch eine aergerliche Vielfahl von, Schopenhauer wuerde sagen, Philosophastereien von fachfremden Akademikern, die sich unverdiente Federn anheften.

    Woher kommt diese Misere? Die Ich-Bezogenheit der Moderne mit ihrer Verwischung der substantiellen Grenzen zwischen dem Ich und dem Allgemeinen ist nur ein Schluessel zu dieser Entwicklung, jedoch beileibe nicht der einzige. Die Beratungslandschaften in Deutschland folgen zunehmend der Nachfrage an dem, was Albrecht Wellmer einmal „Billig-Sinn aus Fernost“ nannte (wobei die Provenienz durchaus auch westlich sein mag): ein von scharfen Differenzierungen befreites Wohlfuehlgefuehl mit einigen zeitgenoessischen Remineszenzen an den uns wohlbekannten, Medien und Maerkte zu Tode impulsierenden Werterelativismus, der nicht erst das 21. Jahrhundert kennzeichnet, sondern es richtig gesehen ermoeglicht hat.

Was meinen Sie?