Über Bildung, Halbbildung und Unbildung

Ab und an sind in den Feuilletons überregionaler Zeitungen Berichte von Hochschuldozenten zu lesen, die sich darüber wundern, dass viele der gegenwärtig Studierenden wesentliche Fähigkeiten vermissen ließen, die zum Studieren notwendig sind. Keineswegs auch würden diese fehlenden Fähigkeiten als wertvoll erkannt. Vielmehr würde deren Wert schlichtweg in Frage gestellt. Die Antwort der Angesprochenen lässt selbstredend nicht lange auf sich warten. Entweder wird behauptet, es seien ja nicht alle so, oder aber sie seien ja nicht Schuld daran, dass sie so sind. Beide Antworten bestätigen die Diagnose der Dozierenden: woran es mangelt, ist die Fähigkeit zu urteilen.

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Die modernen Ungebildeten

Die Moderne hat das Prinzip der Effizienz in ihr Zentrum gestellt und alles andere danach ausgerichtet. Folgerichtig ist auch das Bildungssystem anhand des Effizienzgedankens ausgerichtet worden, was nichts anderes heißt, als dass alles, was im Bildungssystem getan wird, messbar und verlässlich reproduzierbar getan werden soll. Nun ist Bildung allerdings genau das nicht: messbar und vor allem nicht verlässlich reproduzierbar und sicher herstellbar.

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Belehre mich nicht! Über die tiefe Angst des Modernen

Als Umberto Eco seinen Roman Der Name der Rose veröffentlichte, war eines der zahlreichen Themen dieses Buches das Verhältnis zwischen dem Meister und dem Schüler. Voller Güte und Weisheit lehrt der Meister seinem Schüler, die Welt in einer bestimmten Weise zu sehen. Der Schüler ist am Ende sehr dankbar dafür. Die Beziehung zwischen den beiden hat viele Moderne angerührt. Eigentlich merkwürdig, ist dem modernen Menschen doch nur wenig mehr zuwider, als belehrt zu werden.

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Vom Gesicht und Rätsel

Die alten Griechen haben neben vielen anderen Dingen vor allem eines entdeckt: Das Gesicht. Sie nannten es prosopon, was sich übersetzen lässt als das, wodurch es tönt. weiterlesen Vom Gesicht und Rätsel

Wir coachen uns die Welt, wie sie uns gefällt

Wohl kein Wirtschaftszweig ist in den letzten Jahren so stark gewachsen wie die Coaching-Industrie, die zudem auch gerade erst entstanden ist. So genannte Coaches sind eben so zahlreich wie die Themen, die sie bearbeiten. Das Beeindruckende ist, dass dieses Wachstum letztlich ohne ein generisches Produkt möglich ist. weiterlesen Wir coachen uns die Welt, wie sie uns gefällt

Wer da hat, dem wird gegeben: Wie Wissenschaft gemacht wird

Bei dem Evangelisten Matthäus findet sich dieser berühmte Satz:

Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.(25, 29)

Dieser Satz beschreibt, was in der Soziologie nach seinem Urheber als Matthäus-Effekt bezeichnet wird. Demzufolge gilt – vereinfacht gesagt–, dass derjenige, der bereits Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird, was wiederum eine noch größere Aufmerksamkeit nach sich zieht. Kurz: der Matthäus-Effekt beschreibt ein rein formales Phänomen, denn entscheidend ist danach nicht, wie die Aufmerksamkeit erzeugt wird. Der Erfolg, der jemandem auf diese Weise zuteil wird, muss nämlich keinesfalls auf Kompetenz beruhen. weiterlesen Wer da hat, dem wird gegeben: Wie Wissenschaft gemacht wird

Schönsein ist alles

Das entscheidende Kriterium, anhand dessen der Moderne seinen Wert bemisst, ist Zustimmung. Zustimmung lässt sich am einfachsten, das liegt in der Natur der Sache,  dadurch erzeugen, dass man zunächst einmal so ist und sich so verhält und so präsentiert, wie es am wenigsten Anstoß bei anderen erregt. Wenn man dazu dann noch einfach nichts mehr sagt, sondern nur noch spricht und darin Allgemeinplätze äußert, steht der Zustimmung nichts mehr im Wege. Noch einfacher ist es jedoch, noch nicht einmal mehr zu sprechen, sondern sich nur noch zu präsentieren – und zwar so, wie es der so genannte „Mainstream“ erwartet. Wer aufmerksam „soziale Netzwerke“ beobachtet, wird feststellen, dass insbesondere die jungen Damen und Herren sich immer in denselben Posen fotografieren – und das reichlich. Von diesen Posen versprechen sie sich offenbar, besonders „sexy“ oder attraktiv zu wirken, womit sich immer Zustimmung erzeugen lässt. Schön zu sein wird so zur vornehmlichsten Lebensaufgabe des Modernen, nachdem er sich eines anderen Lebensziels ja selbst beraubt hat, als er die Ethik in Misskredit brachte. Fortan ist es nicht mehr erstrebenswert, seinen Selbstwert daraus zu beziehen, ein guter Mensch zu sein oder sich zu fragen, was der eigene Platz in der Welt ist. Schönheit ist der Maßstab, an dem der Moderne – von anderen – gemessen wird und aus dem sich sein Wert in der Währung der Zustimmung ergibt.

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Die Einsamkeit des modernen Menschen

Aus der Ausstellung Berlin|Moskau

In seiner technischen Perfektion und seinem Streben nach immer mehr Technik hat sich der Mensch der Moderne mit immer mehr Artefakten und Technik umgeben. Mitunter mit so viel Technik, dass ihm die anderen Menschen darüber verloren gehen – mehr noch, dass sie ihm verschwinden. Die so genannten sozialen Netzwerke etwa finden im Computer statt. Der Moderne schaut auf einen Monitor oder ein Mobiltelefon – nicht mehr in das Angesicht des anderen. Kommunikation, also das, was Menschen wesentlich ausmacht, findet folglich nicht mehr zwischen – con, also mit ist der wesentliche Bestandteil des Wortes conmunis (etwa: mit in den Mauern einer Burg), das dann über conmunicare zu communicare und schließlich zu Kommunikation wurde – Menschen statt, sondern zwischen Mensch und Technik. Es wundert daher nicht, wenn die Kulturtechniken des Kommunizierens und Verstehens immer mehr verschwinden und nur  elliptische, stakkatohafte und radebrechende Reste von Sprachfähigkeit übrig bleiben, wie man sie in nahezu jedem sozialen Netzwerk allenthalben finden kann.

Der moderne Mensch, so Martin Heidegger in seinem Vortrag Die Technik, ist also förmlich von Technik umstellt und nicht mehr fähig, den anderen dahinter überhaupt noch zu erkennen, geschweige denn, ihn anzusprechen.

Der Mensch der Moderne ist einsam. Und so irrt er, wie hier auf dem Foto aus Berlin Mitte, verloren durch seine Produkte, die ihm auf sein existentielles Fragen keine Antwort geben. So ist der Mensch der Moderne noch mehr als einsam: er ist verlassen.

 

Homo modernus

Die besonderen Eigenarten des Menschen der Moderne sind nicht etwa ein aus welchen Gründen auch immer erdachtes Fiktum, sondern vielmehr Ergebnis der Analyse der Moderne. Die Moderne ist keine zeitliche Epoche, sie ist vielmehr ein Zustand. weiterlesen Homo modernus

In einer ästhetischen Welt gilt um so mehr: „sex sells“

Der Trend, das eigene Ich zum alleinigen Gegenstand der Kunst zu machen, greift nicht nur in der Literatur (siehe: Der moderne Rückzug in die Individualität in Kunst und Literatur) um sich, sondern auch in der Fotografie.

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