Das Forschungsprojekt

Die Idee zu dieser Seite entstand während der Arbeit an meinem aktuellen Forschungsprojekt „Irrwege. Von der Suche nach dem Sinn des Lebens in der Moderne“, das als Buch veröffentlicht werden wird.

In diesem Projektgeht es darum, dass die Moderne auf einen Irrweg geraten ist, der ihr bereits immanent eignet. Friedrich Nietzsche und Sören Kierkegaard haben auf die Gefahren dieses Irrweges bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hingewiesen. Die Lektüre ihrer Texte stellt daher einen wichtigen Ausgangspunkt dar.

Die modernen Menschen sind im Grunde den ganzen Tag damit beschäftigt, Dinge zu tun, die sie eigentlich gar nicht tun wollen, aber meinen, sie tun zu müssen, weil es von ihnen so verlangt wird. Sie beschäftigen sich nicht mehr mit sich, ihrem Leben und damit, was sie eigentlich wollen. Die Frage nach dem Sinn ihres Lebens haben sie nach außen an andere verlagert.

Den Modernen sagt im Grunde niemand mehr, was sie zu tun haben. Sie haben sich von göttlichen Autoritäten und Traditionen weitgehend befreit und damit gleichsam unbegrenzte Freiheiten. Eigentlich sollte das die beste Ausgangslage sein, seinem Leben frei einen Sinn zu geben. Doch die Modernen scheitern an dieser unbegrenzten Vielfalt an Möglichkeiten. Wie viele etwa beklagen sich über die schlechten Umstände ihrer Arbeit? Doch trotzdem ändern sie nichts an ihrer Haltung zur Welt, weil die bestehende Struktur eine formende Kraft hat. Wie viele beklagen sich, zu wenig Zeit zu haben. Doch wer nimmt sie ihnen denn?

So geraten sie immer weiter in Abhängigkeiten, die sie unglücklich machen und den Sinn ihres Lebens nicht mehr erkennen lassen. Um an dieser Situation etwas zu ändern, reflektieren sie aber nicht auf die Grundlagen ihrer Situation, um diese zu verstehen, sondern sie suchen sich entweder eine Rechtfertigung eben dieser Situation oder eine Beschäftigung, um sich nicht mehr damit beschäftigen zu müssen. „Der moderne Mensch wird in einem Tätigkeitstaumel gehalten, damit er nicht zum Nachdenken über den Sinn seines Lebens und der Welt kommt“, hat Albert Schweitzer einmal festgestellt.

Unzählige Ratgeber, Coaches oder Anbieter fernöstlicher Praktiken tragen das ihrige zu der Misere bei, indem sie nicht tun, was eigentlich ihre Aufgabe wäre: eine radikale Reflexion oder eine radikale Infragestellung der Situation, denn Ratgeber wollen gekauft, Coaches gebucht und Yogastudios besucht werden. Blöd wäre der, der seine Kundschaft vor den Kopf stößt. Also verbiegen sie sich soweit, dass das hier angebotene Yoga oftmals nichts mehr mit seinem eigentlichen Ursprung zu tun hat und „Coach“ letztlich nichts anderes ist als eine Bezeichnung für jemanden, der seine Technik von der Philosophie entliehen hat, jedoch ohne deren Radikalität zu verstehen. Das Ergebnis sind kunstvoll errichtete, konsistente Weltsichten, die den Modernen in seiner Modernität zufrieden stellen, sein eigentliches Problem dabei nicht anrühren, dafür aber das Gefühl vermitteln, alles richtig zu machen und außerdem noch unangreifbar sind.

In den „Irrwegen“ werden Strukturen dieser Art systematisiert und frei gelegt, verschiedene moderne stereotype Fehlschlüsse vorgestellt und Denkweisen der Modernen analysiert.

Hat ein Buch für dieses Vorhaben unbestritten seine Vorteile darin, das Thema gründlich und zusammenhängend entfalten und erörtern zu können, so ist es jedoch naturgemäß begrenzt. Ständig entstehen neue Irrwege, die mehr oder weniger viel mit den bereits bekannten gemein haben und eine fortlaufende Kommentierung erforderlich machen. Dieser Anforderung lässt sich vermittels des Internets gerecht werden, denn das Internet ist eben nicht begrenzt und ermöglicht Verlinkungen und Referenzen. Auf diese Weise ist es möglich, eine Landkarte der Irrwege zu erzeugen, die im Laufe der Zeit immer genauer werden wird. So ist diese Seite entstanden: als Ergänzung des Buches, die aber auch ohne das Buch einen eigenständigen Wert hat.

Beiträge auf dieser Seite gliedern sich in Ankündigungen (von Veranstaltungen oder Büchern), Buchvorstellungen, Hinweise, Erläuterungen und Argumentationen. Erläuterungen dienen dabei dazu, die hier zugrunde gelegten Verwendungsweisen der in den Argumentationen vorkommenden Begriffe zu erläutern.