Die Angst des Modernen vor dem Menschen

Für den Menschen der Moderne haben Wissen, so genannte harte Fakten und alles, was sich messen lässt, Vorrang vor dem, worauf man vertrauen muss oder was man nur glauben kann. Kurz: Der Moderne gibt der Technik den Vorzug vor dem Menschen. Denn die Technik, so scheint es ihm, verleiht Sicherheit, weil sie berechenbar ist – anders als Menschen, die täuschen oder lügen können, die sich irren und ihr Wort brechen. Die Technik kann man bei Bedarf aktivieren und auch wieder deaktivieren. Ist sie kaputt, gibt es Pläne, wie man sie wieder herstellen kann. weiterlesen Die Angst des Modernen vor dem Menschen

Die Einsamkeit des modernen Menschen

Aus der Ausstellung Berlin|Moskau

In seiner technischen Perfektion und seinem Streben nach immer mehr Technik hat sich der Mensch der Moderne mit immer mehr Artefakten und Technik umgeben. Mitunter mit so viel Technik, dass ihm die anderen Menschen darüber verloren gehen – mehr noch, dass sie ihm verschwinden. Die so genannten sozialen Netzwerke etwa finden im Computer statt. Der Moderne schaut auf einen Monitor oder ein Mobiltelefon – nicht mehr in das Angesicht des anderen. Kommunikation, also das, was Menschen wesentlich ausmacht, findet folglich nicht mehr zwischen – con, also mit ist der wesentliche Bestandteil des Wortes conmunis (etwa: mit in den Mauern einer Burg), das dann über conmunicare zu communicare und schließlich zu Kommunikation wurde – Menschen statt, sondern zwischen Mensch und Technik. Es wundert daher nicht, wenn die Kulturtechniken des Kommunizierens und Verstehens immer mehr verschwinden und nur  elliptische, stakkatohafte und radebrechende Reste von Sprachfähigkeit übrig bleiben, wie man sie in nahezu jedem sozialen Netzwerk allenthalben finden kann.

Der moderne Mensch, so Martin Heidegger in seinem Vortrag Die Technik, ist also förmlich von Technik umstellt und nicht mehr fähig, den anderen dahinter überhaupt noch zu erkennen, geschweige denn, ihn anzusprechen.

Der Mensch der Moderne ist einsam. Und so irrt er, wie hier auf dem Foto aus Berlin Mitte, verloren durch seine Produkte, die ihm auf sein existentielles Fragen keine Antwort geben. So ist der Mensch der Moderne noch mehr als einsam: er ist verlassen.