Wozu diese Seite?

  • Banken werden gerettet, um die Wirtschaft zu retten. Die Wirtschaft ist in dieser Rede schon längst nichts mehr, was von Menschen gemacht wird, sondern erscheint einer kruden Logik folgend umgekehrt bereits in der Gestalt einer eigenen Person, der die Menschen zu gehorchen haben.
  • In Deutschland herrscht der Fachkräftemangel, wird die Wirtschaft nicht müde zu betonen. Doch überraschender Weise sind rund eine viertel Million Menschen arbeitslos, die laut Statistik der Arbeitsagentur genau zu der Gruppe der Fachkräfte gehören. Die Erklärung für diesen offensichtlichen Widerspruch ist einfach: „Fachkräfte“, das sind nach der eigenwilligen Definition der Wirtschaft eben nicht Fachkräfte in dem Sinne, wie das Wort normalerweise gebraucht wird. „Fachkräfte“, das sind allein Ingenieure.

Jeden Tag entblöden sich Medien, Politiker, die Wirtschaft oder andere, die die öffentliche Meinung für ihre Zwecke zu manipulieren versuchen, nicht, eben diese Öffentlichkeit mit derartigem Unsinn wie dem gerade genannten zu behelligen.

Nun gibt es nach Jürgen Habermas durchaus philosophischen Unsinn (bestimmte nicht beantwortbare Fragen etwa), mit dem sich zu beschäftigen durchaus lohnenswert ist. Dieser Unsinn jedoch, von dem hier die Rede ist, dessen einziger Zweck doch nur darin besteht, die eigentlich dahinter stehenden Partikularinteressen zu verbergen, gehört grundsätzlich sicher nicht dazu.

Gegenstand philosophischer Reflexion kann und muss dieser Unsinn ausnahmsweise jedoch bisweilen werden, um ihn in seiner ganzen Unverschämtheit und Unaufrichtigkeit zu entlarven. Denn es ist eine wesentliche Aufgabe der Philosophie, Sinn verstehen zu wollen, und Unsinn davon zu scheiden. Damit entspricht sie dem Drang im Menschen, die Welt, in der er lebt, und den Sinn seines Lebens verstehen zu wollen.

Immer mehr scheint diese Aufgabe in Vergessenheit zu geraten. Philosophie wird zur bloßen Unterhaltung. Doch sie ist kein eitler Zeitvertreib. Philosophie ist – das liegt an ihrem Gegenstand: dem Menschen zu helfen, sich in der Welt zurecht zu finden – eine ernste Sache. Darin ist sie, folgt man der Bestimmung Loriots, dem Humor gleich. Und genau wie dieser kann sie dabei – deswegen – doch sehr unterhaltsam sein, genau wie das menschliche Leben. Wer die Philosophie zur bloßen Unterhaltung macht, beraubt sie ihrer Schärfe und ihrer Kraft, dem alltäglichen Unsinn etwas entgegen zu setzen. Genau dies ist aber um so erforderlicher, je mehr der Mensch zu einer Randfigur des Geschehens degradiert wird und das heißt: je weniger er als Mensch, sondern nurmehr als eine Funktion für einen ihm fremden Zweck angesprochen wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Banken statt Menschen gerettet werden oder wenn nur noch Ingenieure als wertvolle Fachkräfte, alle anderen aber bloß als soziale Kostenfaktoren betrachtet werden.

Dauert die Indoktrination mit solcherlei Unsinn nur ausreichend lange, lässt sich damit problemlos ein Weltbild errichten, dem sich viele nicht mehr entziehen können. So steht im Zentrum des Lebens in der Moderne schon lange nicht mehr der Mensch, sondern die Wirtschaft, Geld und Eile, die zusammengefasst im universellen Maßstab der Wirtschaftlichkeit kondensieren. Das Immerschneller, das Immermehr, die Krankheiten unserer Zeit, stellen den exakten Gegensatz zur Philosophie dar, der es darum geht, in Ruhe und gründlich zu verstehen. Es kann deshalb kaum verwundern, dass auch die Philosophie zu einer schnell verdaulichen Unterhaltung werden soll. Die Philosophie aber ist einzig für den Menschen da, nicht für die Wirtschaft und überhaupt für niemanden, der sich ihrer bedienen will, um seinem Unsinn eine philosophische Scheinbegründung zu verleihen.

Diese Seite will dazu beitragen, den alltäglichen Unsinn erkennen zu helfen und dadurch die Irrwege, auf die dieser Unsinn geführt hat, wieder zu verlassen. Insofern stehen die Irrwege in der Tradition der Philosophie der Lebenskunst, die das Verstehenwollen für eine wichtige Voraussetzung dafür hält, den Sinn des eigenen Lebens zu finden.

Die Philosophie ist die Disziplin des Verstehens. Verstehen aber braucht – ganz unmodern – Zeit und findet deswegen seinen Platz nur selten in journalistischen Formaten. Die Irrwege sind deshalb ein philosophisches Format für Argumente, deren Entfaltung Raum braucht und deren Verständnis Zeit. Wer, ganz modern, schnell Informationen konsumieren will, wird hier eher nicht fündig. Hier gilt allein das bessere Argument. Deshalb ist hier auch kein Platz für die üblichen Internet-Diskussionen, deren Muster doch immer gleich ist: um einen Artikel zu kommentieren, reicht es den meisten, die Überschrift und den ersten Satz zu lesen. Etwas wirklich zu verstehen, bevor man darauf reagiert, dauert eben einfach zu lange. Da ist doch eine Kommentarschlacht, die nahezu notwendig immer zu Beleidigungen führt, viel schneller zu haben, trägt der Sache allerdings nichts bei.

Die Kommentare auf dieser Seite werden daher moderiert, aber nicht zensiert. Jeder Kommentar ist willkommen, der dem vorgetragenen Argument und seinem Autoren/seiner Autorin den nötigen Respekt entgegen bringt und im Geist der Höflichkeit verfasst ist.

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